Methode

Was ist systemische Beratung/ Familienstellen?

Systemische Beratung allgemein

Keiner lebt für sich allein, auch dann nicht, wenn er als Eremit sein Leben in der Wüste verbringt.

Er ist Teil seiner Eltern, seiner Vorfahren und deren Geschichte. Diese wurde jedem mitgegeben, im Bewussten wie im Unbewussten. Hinzu kommen die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse. All das prägt einen Menschen und lebt in und mit ihm weiter. Darüber hinaus gibt er dies wieder an seine Kinder weiter, bewusst und unbewusst.

Über all die positiven Dingen, die wir mitbekommen haben und erleben durften, freuen wir uns. Doch es gibt auch Erfahrungen und Begegnungen, die uns zu schaffen machen.

Diese zeigen sich in Ängsten, depressiven Phasen, Krisen, Konflikten, Aggressionen, körperlichen Symptomen, Krankheit oder Armut. Egal, was man auch tut, diese Dinge finden immer wieder in unser Leben Einzug oder sind sogar stets präsent.

In einer systemischen Beratung und beim Familienstellen werden die Zusammenhänge sichtbar gemacht. Dadurch wird der Verstand umgangen und es gelingt, zu sehr tiefen und oftmals verschütteten Schichten vorzudringen.

Dabei ist es mir wichtig zu betonen, dass ich sehr behutsam vorgehe und nichts überstürze. Kleine, machbare Schritte sind für mich die oberste Maxime. Ähnlich der Arbeit eines Archäologen, wird immer nur soviel freigelegt, wie es die Umstände und die aktuelle Verfassung des Klienten zulassen.

Wenn wir die Metapher vom Betrunkenen unter der Laterne von Paul Watzlawick verwenden, ist die systemische Arbeit wie eine Taschenlampe, mit der man in die dunkle Ecke leuchten kann, dorthin wo der Schlüssel zu all unseren Sorgen und Nöten liegt. Wir können endlich wieder nach Hause zurückkehren, in unsere Mitte.

Formen der Arbeit

Einzelarbeit / Einzelaufstellung

Die systemische Arbeit umfasst neben Gruppenseminaren (Familienstellen) auch die Einzelarbeit. Wie in einer Gruppenaufstellung auch, wird bei einer

Einzelaufstellung

das System angeschaut, in dem der Mensch steht. Entweder das aktuelle System, aber auch das vergangene, die Herkunft, kann man sehr gut in einer Einzelarbeit anschauen und Verständnis für seine Situation erarbeiten, um darüber Lösungen zu finden.

Konkret kann es so aussehen, dass für die Protagonisten des Systems Kuscheltiere gewählt werden. Allein die Wahl des Tieres lässt Schlüsse auf den Einfluss der Person auf das eigene Leben zu.

Eine andere Methode ist es, die Namen von Personen oder Umständen, die vermutlich auf das eigene Leben wirken, auf Zettel zu schreiben und auszulegen. Als ihr Begleiter stelle ich mich auf jeden dieser Zettel und gebe das wieder, was ich an dieser Stelle empfinde (siehe »Stellvertreter Phänomen«).

Eine Methode, die sehr behutsam und doch wirkungsvoll ist, ist die Bilderreise. Ich gebe Ihnen dabei verbal die Umrisse einer Landschaft vor und Sie füllen diese aus. Dann begeben wir uns auf eine Reise, auf der Sie mir Ihre inneren Bilder mitteilen.

Neben diesen Methoden werden auch über Gespräche klare und konkrete Hilfestellungen im Hier und Jetzt erarbeitet.

Grundsätzlich wichtig sind bei meiner Arbeitsweise kleine, machbare Schritte, die Stück für Stück zu einer Linderung und schlussendlich zu einer dauerhaften Lösung führen.

Familienstellen, systemische Aufstellungen

Ablauf

Ein Aufstellungsseminar dauert in der Regel einen Tag (circa 10 bis 19 Uhr). In dieser Zeit werden bis zu fünf Aufstellungen durchgeführt, die zusammen mit dem Vorgespräch jeweils etwa eine Stunde dauern.

Die Gruppe sollte sechs bis max. 15 Teilnehmer umfassen.

Bei einer Gruppenaufstellung führe ich mit dem sog. Aufsteller der die Aufstellung initiiert hat, vor der Gruppe ein Vorgespräch über sein Anliegen. In diesem Gespräch werden das Thema der Aufstellung und  die Auswirkungen der Belastung auf das Leben des Aufstellers benannt und vor allem die Ziele und Änderungen festgelegt, die sich der Aufsteller wünscht. Zudem werden die Personen und Dinge benannt, die aufgestellt werden sollen.

Für diese Personen werden Zettel geschrieben und vor dem Aufsteller auf den Boden gelegt. Vor der eigentlichen Aufstellung gewinnt man so nochmals einen Überblick und der Aufsteller kann nachspüren, ob alle Beteiligten gesammelt wurden.

Die eigentliche Aufstellung vollzieht der Aufsteller, indem er für jede Person aus seinem System (Familie, Freundeskreis, berufliches Umfeld) einen Stellvertreter aus der Gruppe wählt. Der Stellvertreter wird dabei gefragt, ob er für die Person XY stehen möchte, darf jedoch auch ablehnen

Die gewählten Stellvertreter führt der Aufsteller seinem Gefühl folgend im Raum an einen Platz, der für ihn geeignet erscheint, und positioniert auch für sich selbst einen Stellvertreter in der Aufstellung

Durch die Platzierung der Stellvertreter im Raum entsteht so nach und nach ein Bild.

Als Aufstellungsleiter gewinne ich über die Position der Stellvertreter im Raum, ihre Blickrichtung und ihre Körpersprache einen Eindruck, wie das System funktioniert, welche Beziehungen bestehen und wie sie wirken.

Von den Stellvertretern lasse ich mir Rückmeldung geben, wie es ihnen auf diesem Platz geht. (siehe »Stellvertreter Phänomen«).

Der nächste Schritt kann sein, dass ich als Aufstellungsleiter die Stellvertreter umstelle, sie bitte, ihre Blickrichtung zu ändern, bewusst zu atmen, sich hinzulegen u.a.m.

Als nächstes wird versucht, Lösungssätze zu finden und diese von den Stellvertretern sagen zu lassen oder die Stellvertreter selbst Lösungssätze finden zu lassen. Dies ist der entscheidende Schritt in der Aufstellung. Denn anders als die wirkliche Person, empfindet der Stellvertreter Gefühle, ohne zu verdrängen. So kann es sein, dass zum allerersten Mal Wut und Vorwürfe ausgedrückt werden können und dürfen, aber auch Zuwendung, Liebe und der Wunsch, dass es dem anderen gut geht.

Der letzte Schritt der Aufstellung ist, dass der Aufsteller neben seinem Stellvertreter in die Aufstellung hineingenommen wird, um das neue Bild und die Lösungssätze zu erleben. Das neue Bild wird nun aufgenommen und kann seine heilende Wirkung entfalten.

Am Ende einer Aufstellung bitte ich den Aufsteller zu einem Nachgespräch. Dabei erfrage ich die wesentlichen Eindrücke, die er aus dem neuen Bild aufgenommen hat, und gebe dem Aufsteller Aufgaben mit auf den Weg, damit dieses Bild in das alltägliche Leben übernommen werden kann.

»Beipackzettel«

Bei dieser Methodik arbeiten wir mit Bildern und Gefühlen. Diese sind im Herzen und im Bauch zu Hause. Daher rate ich streng an, in den ersten sieben Tagen nach einer Aufstellung nicht darüber zu sprechen. Warum? Weil durch das Reden das Gefühl, das Lösungsbild in den Kopf wandert und dort leicht vom »Verstand klein geschnippelt« werden kann, was kontraproduktiv wäre. Treffend drückt es der Begriff »Zerreden« aus.

Wirkung

Eine Aufstellung ist wie eine Taschenlampe, ein Mikroskop oder ein Fernglas. Sie erhellt Zusammenhänge und gewährt uns Einblicke, egal ob sie verborgen sind oder sich in weiter Ferne unseren Blicken entziehen.

Es liegt an uns, das neue Bild in uns aufzunehmen und die neuen Erkenntnisse wirken zu lassen.

Es ist unser Wunsch, unsere Sehnsucht nach einer Änderung, nach Heilung, die die Wirkung einer Aufstellung erst entfaltet.

Am Ende einer Aufstellung / Einzelsitzung stehen Erkenntnis, Klarheit und Entlastung.